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Dallas Rache für tödliche Polizeigewalt

Polizeiwagen vor dem Baylor University Medical Center in Dallas | Bildquelle: dpa

Schießerei in Dallas Rache für tödliche Polizeigewalt

Stand: 09.07.2016 00:10 Uhr

Der Heckenschütze von Dallas wollte laut Behördenangaben Rache nehmen für die tödliche Polizeigewalt gegenüber Schwarzen in den USA. Demnach wollte er vor allem weiße Polizisten erschießen. Den Umgang mit der Waffe lernte der Ex-Soldat beim Militär.

Das Motiv für die Tat war höchstwahrscheinlich Hass auf Weiße. Genauer: auf weiße Polizisten. So viele wie möglich wollte der 25-jährige mutmaßliche Täter töten – wegen der tödlichen Polizeigewalt gegen Schwarze in den USA. Die traurige Bilanz seiner Racheaktion: Fünf tote Polizisten, sowie neun Verletzte, darunter auch zwei Zivilisten. Nachdem der Schütze sich stundenlang in einem Parkhaus verschanzt hatte, wurde er mit Hilfe eines mit Sprengstoff beladenen Roboters getötet.

Unklar ist weiterhin, ob es sich um einen Einzeltäter handelte. Zunächst berichtete die Polizei von mehreren Schützen. Drei Menschen seien festgenommen worden. Ein weiterer Verdächtiger stellte sich, nachdem die Polizei ein Fahndungsfoto von ihm veröffentlicht hatte – er wurde aber inzwischen freigelassen.

“Nichts davon macht Sinn”

Heute konzentrierten sich die Ermittlungen auf den 25-Jährigen. Dieser hatte der Polizei gesagt, dass er weder zur Bewegung “Black Lives Matter” noch zu einer Terrororganisation gehöre. Er habe allein gehandelt. “Nichts davon macht Sinn”, sagte Polizeichef Brown daraufhin.

Mike Rawlings (r.), Bürgermeister von Dallas, und Polizeichef David Brown | Bildquelle: AFP

Im Haus des Mannes entdeckten Ermittler ein Waffenarsenal. Neben Material zum Bau von Sprengsätzen seien auch Gewehre, Munition, schusssichere Westen und ein Handbuch mit Kampftaktiken gefunden worden, teilte die örtliche Polizeibehörde mit. Befragte Personen hätten den Mann als Einzelgänger beschrieben, hieß es.

Wie das US-Verteidigungsministerium mitteilte, handelte es sich bei dem mutmaßlichen Täter um einen ehemaligen Soldaten. Beim Militär lernte er auch den Umgang mit dem Scharfschützengewehr. Von 2009 bis 2015 war der Verdächtige Mitglied der US-Heeresreserve, von November 2013 bis Juli 2014 sei er in Afghanistan stationiert gewesen, teilte das Pentagon mit.

Behörden bitten Bevölkerung um Mithilfe

Die Behörden in Dallas baten die Bevölkerung unterdessen um Mithillfe. “Wir brauchen Ihre Unterstützung, um Sie vor denjenigen zu beschützen, die für diese tragischen Ereignisse verantwortlich sind”, sagte Polizeichef David Brown. Die Polizisten hätten unter Einsatz ihres Lebens für die Sicherheit von Zivilisten gesorgt. Dabei hätten sie kaum eine Chance gehabt, sich vor den Schüssen zu schützen. Brown rief dazu auf, für die Familien der Getöteten zu beten. “Diese Entzweiung zwischen Polizisten und Bürgern – sie muss aufhören”, sagte Brown.

US-Präsident Barack Obama hatte sich zuvor tief bestürzt über die Bluttat in Dallas gezeigt. Diese erfülle ihn mit Abscheu. Er sprach von einer gezielten Attacke auf Polizisten. Es gebe dafür keine denkbare Rechtfertigung. Amerika sei entsetzt über die Attacke. Er rief die US-Bevölkerung dazu auf, ihren Dank an die Sicherheitskräfte auszudrücken. Jeder, der an diesen “schrecklichen Morden” beteiligt war, werde zur Rechenschaft gezogen.

Obama sagte den Behörden in der texanischen Stadt seine volle Unterstützung zu. Der Präsident hält sich derzeit wegen des NATO-Gipfels in der polnischen Hauptstadt auf.

Unruhen in Ferguson | Bildquelle: AFP

Chronologie

US-Polizeigewalt gegen Schwarze

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Clinton und Trump sagen Wahlkampfauftritte ab

Die US-Präsidentschaftskandidaten Hillary Clinton und Donald Trump sprachen den Hinterbliebenen ebenfalls ihr Mitgefühl aus. “Ich trauere um die Polizisten, die während ihrer heiligen Pflicht, friedliche Demonstranten zu schützen, erschossen wurden”, schrieb Clinton auf Twitter. Ihr republikanischer Konkurrent Trump sprach von einer Spaltung in den USA, die Konflikte zwischen Schwarzen und Weißen seien schlimmer geworden. “Das ist nicht der amerikanische Traum, den wir alle für unsere Kinder wollen”, hieß es in einer Mitteilung Trumps. “Wir müssen Recht und Ordnung wiederherstellen.” Beide Kandidaten sagten ihre für heute angesetzten Wahlkampfauftritte ab.

Mutter von Alton Sterling verurteilt Tat

Anlass für die Demonstration waren die tödlichen Polizeischüsse auf zwei Schwarze in Louisiana und Minnesota. Die Mutter des in Louisiana von der Polizei getöteten Alton Sterling verurteilte die Tat von Dallas. “Wir lehnen die verwerflichen Gewaltakte, die gegen Mitglieder der Polizei von Dallas verübt wurden, von ganzem Herzen ab”, schrieb sie in einer Mitteilung. Egal, wie aufgebracht die Menschen seien, hieß es weiter, solche “widerliche Gewalt” dürfe nicht toleriert werden.

Vor den Angriffen in Dallas hatte Obama kritisiert, die Vorfälle in Louisiana und Minnesota seien keine Einzelfälle. Alle Amerikaner hätten Grund, beunruhigt zu sein. Viele Bürger erlebten, dass sie wegen ihrer Hautfarbe anders behandelt würden als weiße Amerikaner.

New Yorks Bürgermeister will Polizisten besser schützen

New Yorks Bürgermeister Bill de Blasio kündigte nach der Tat verstärkte Schutzmaßnahmen für alle Polizisten in der Ostküsten-Metropole an. “Kein Polizist geht mehr alleine auf Streife. Alle gehen aus Sicherheitsgründen mindestens zu zweit”, sagte er. Zudem würden alle Demonstrationen, Protestmärsche und sonstigen Großveranstaltungen künftig von deutlich mehr Personal bewacht als sonst. Das alles seien reine Vorsichtsmaßnahmen. “Es gibt keine Anzeichen für eine spezifisch hierhin gerichtete Bedrohung.”

haben. Sondereinheiten der Polizei entdeckten bislang aber keinen Sprengstoff.

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Author: Nilzeitung

Danke für ihren Besuch.!!"dieser Seite im Aufbau". Es stimmt, dass es keine Freiheit ohne Pressefreiheit gibt. Wahrer Frieden des Journalismus ist eine der Säulen der Demokratie (Salah El-Nemr) se/nz.

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