Kardinal Marx ruft Europäer zu Solidarität in Flüchtlingsdebatte auf
Danzig (dpa) – Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, hat in der europäischen Flüchtlingsdebatte zu mehr Solidarität aufgerufen. «Wir haben eine Verantwortung, ja die Verpflichtung, füreinander einzutreten», zitierte ihn am Freitag die Deutsche Bischofskonferenz. «Die andere Person anzuerkennen, ist der einzige Weg für ein friedliches Zusammenleben zwischen Menschen, Kulturen, Kontinenten.
In solidarischer Überzeugung muss ich Verantwortung für den anderen übernehmen. Das gilt auch in der europäischen Flüchtlingsdebatte», sagte Marx während einer Rede im Europäischen Solidarnosc-Zentrum (ECS) in Danzig (Gdansk).
Der Kardinal war als Redner in die nordpolnische Stadt eingeladen worden, wo am 31. August 1980 das historische Abkommen zwischen den Arbeitern der Lenin-Werft und der kommunistischen Regierung unterzeichnet worden war. Damit erkannte der polnische Staat erstmals eine freie Gewerkschaft an.
In seiner Rede zu Freiheit und Verantwortung ging Marx auf Spannungen ein, die derzeit in vielen europäischen Ländern um die Begriffe kreisten und rief zur Akzeptanz des anderen in seiner Verschiedenheit auf: «Eine freie Gesellschaft kann und muss Unterschiede ertragen.»
In Chemnitz war es nach dem gewaltsamen Tod eines Deutschen und der Festnahme zweier Ausländer als Tatverdächtige zu Demonstrationen und Ausschreitungen gewaltbereiter Neonazis mit Attacken gegen Ausländer gekommen.

Erschreckender Vorfälle am Mittwoch: Im Mecklenburg-vorpommerischen Wismar wurde ein 20-jähriger Syrer in einem Park krankenhausreif geprügelt.
In Sondershausen in Thüringen wurde ein 33-jähriger Eritreer bei einem Streit schwer verletzt.
Wie die Polizeibehörden mitteilten, wurden beide Männer bei den Auseinandersetzungen rassistisch beleidigt.
In Wismar schlug einer der Angreifer mit einer Eisenkette auf den 20-jährigen Migranten ein, als der bereits am Boden lag. In Sondershausen traten die unbekannten Angreifer dem Eritreer mehrfach gegen den Kopf.
Das Opfer von Wismar erlitt einen Nasenbeinbruch und Prellungen. Weitere Einzelheiten konnten die Polizeibehörden in den beiden Städten am Donnerstag zunächst nicht nennen.
Marx sagte während seiner Rede in Danzig: «Wir als Kirche stehen auf der Seite der Freiheit und der einen Menschheitsfamilie, nicht auf der Seite extremer Nationalismen.» Er rief zu einem neuen Bewusstsein für Europa auf: «Wir alle dürfen und sollen im guten Sinn des Wortes Patrioten sein.
Aber wir müssen auch über den eigenen Tellerrand hinausschauen, um unserer Verantwortung für das gemeinsame Haus gerecht zu werden.» Solidarität reiche bis hin zur internationalen Verantwortung, die nicht negiert werden dürfe.(pb/dpa)

You must be logged in to post a comment.