
In der gleichnamigen Provinzhauptstadt hüllten sich Demonstranten am Freitag in Flaggen von Oppositionsgruppen. Bild: AFP/Omar haj Kadour
Tausende Menschen in der syrischen Provinz Idlib haben gegen die erwartete Militäroffensive auf die Rebellenhochburg protestiert. In der gleichnamigen Provinzhauptstadt hüllten sich Demonstranten am Freitag in Flaggen von Oppositionsgruppen. Manche hielten Banner hoch mit Aufschriften wie: «Ich bin ein Bürger Idlibs, und ich habe das Recht, in Würde zu leben.»
Die oppositionsnahe syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte sprach von Zehntausenden Protestierenden in der gesamten Provinz sowie in benachbarten Rebellengebieten. In Idlib leben etwa drei Millionen Zivilisten, viele von ihnen sind Flüchtlinge aus anderen Teilen Syrien.

Syriens letzte grosse Schlacht?
Das Gebiet um die Stadt Idlib ist die einzige grosse Hochburg, die den Rebellen nach vielen Niederlagen noch geblieben ist. Doch Syriens Führung in Damaskus hat dort ihre Truppen aufmarschieren lassen und droht mit einer Offensive. (Fragen und Antworten dazu lesen Sie hier.)
Auch Moskau, Syriens enger Verbündeter, scheint gewillt zu sein, diesen Angriff zu unterstützen. Der russische Aussenminister Sergej Lawrow wetterte in der vergangenen Woche, in Idlib hätten sich Terroristen gesammelt. Diese «Eiterbeule» müsse «liquidiert» werden.
Vage Erklärung nach Gipfel
Zum Schicksal Idlibs hat am Freitag ein Syrien-Gipfel in Teheran stattgefunden. Russland und der Iran als Unterstützer der trafen sich mit der Türkei, Schutzmacht der Rebellen. Auf ein gemeinsames Vorgehen zur bevorstehenden Offensive konnten sie sich allerdings nicht einigen. In einer am Freitag veröffentlichten gemeinsamen Erklärung war keine Rede von konkreten Massnahmen.

International wird eine humanitäre Katastrophe befürchtet, weil eine Militäroffensive in der letzten noch von Rebellen gehaltenen syrischen Provinz auch rund drei Millionen Zivilisten treffen würde.
In der vage gehaltenen Erklärung der Präsidenten Wladimir Putin, Hassan Rohani und Recep Tayyip Erdogan hiess es, man sei weiterhin entschlossen, Zivilisten zu schützen und die humanitäre Situation zu verbessern. Man wolle gemeinsam die Operationen gegen Terroristen fortsetzen, die mit Al-Kaida oder der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) verbunden seien.
Putin will Kämpfer vertreiben, Erdogan warnt vor «Blutbad»

Zuvor hatten die drei Staatschefs in einer Art «Blitzgipfel» ihre Stellungnahmen ausgetauscht. Sie schienen sich dabei nicht einander anzunähern. Russland und der Iran beharrten auf einer Fortsetzung der Kämpfe gegen Terroristen. Putin sagte, «die legitime syrische Regierung» habe das Recht, das gesamte Territorium wieder unter Kontrolle zu bringen. Das Hauptziel sei es nun, «die Kämpfer aus der Provinz Idlib zu vertreiben».
Erdogan dagegen beharrte auf der Festschreibung einer Waffenruhe und warnte vor einem «Blutbad». «Ein Angriff auf Idlib wird zu einer Katastrophe, einem Massaker und einer riesigen humanitären Tragödie führen», sagte der türkische Präsident. Er hatte angekündigt, dass es in den kommenden Tagen weitere Treffen von Abgesandten der drei Gipfelteilnehmer geben werde.
Die syrische Regierung will das letzte grosse Gebiet in der Hand der Rebellen zurückerobern. Die Provinz Idlib grenzt an die Türkei an. Sie befürchtet im Falle der geplanten syrischen Offensive viele Flüchtlinge in Richtung Türkei. Die Fluchtbewegungen hätten schon angefangen, warnte Erdogan.
(sda)
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