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Pharao Senebkai und der Beamte von Theben

Pharao Kultur Beamten Leben Theben.

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Publiziert am 14. Feb 2014 von Lutz Büge


Mehr über den Roman „Der Osiris-Punkt“ am Schluss dieses Artikels.
Publiziert am 14. Feb 2014 von Lutz Büge

Ist ja mal wieder typisch für unsere Medien: Da wird in Theben-West in Oberägypten ein Grab eines vermutlich hochstehenden Beamten gefunden, in dem sich ein verschlossener hölzerner Sarkophag befindet. Ein großartiger Fund, denn der Sarkophag ist im Originalzustand: Genau so war er vor rund 3500 Jahren bestattet worden. Die Deutsche Presseagentur dpa meldet den Fund und gibt dabei an, er sei der Zeit der 17. Dynastie zuzuordnen — „ca. 1622-1939 v. Chr“. Dann bemerkt dpa einen der zwei Fehler, die in dieser Zeitangabe stecken, und macht daraus „ca. 1939-1622 v. Chr“. Zwei mal Autsch!

Pharao Senebkai und der Beamte von Theben

Bildergebnis für Pharao Senebkai

Archäologen haben in der ägyptischen Nekropole von Abydos das Grab des bislang unbekannten Pharaos Senebkai ausgegraben lr

Ägypten kommt wieder in Fahrt, wie es scheint. Erst kürzlich wurde in Abydos, dem zentralen Osiris-Heiligtum des alten Ägypten, das Grab des Pharao Senebkai entdeckt, das viele Fragen aufwarf. Ein Pharao in Abydos? Es kann sich eigentlich nur um einen regionalen Herrscher handeln, keineswegs um einen gesamtägyptischen Pharao, denn zu jener Zeit hatten die Hyksos ganz Unterägypten in ihrer Gewalt, Invasoren aus Vorderasien, die um 1760 v.C. in Ägypten eingefallen waren. Rund 90 Jahre später starb in Abydos der Pharao Senebkai, und auch in Theben, 160 Kilometer nilaufwärts, gab es Pharaonen.

Und nun fand ein Team um den spanischen Archäologen José Manual Galán in West-Theben, der Totenstadt der oberägyptischen Hauptstadt Theben, das Grab eines Beamten, das aus ungefähr derselben Zeit zu stammen scheint, darin ein wunderschön bemalter hölzerner Sarkophag, der eine Mumie enthielt. Der Sarkophag wird von den Experten der Zeit der 17. Dynastie zugeordnet (1622-1539 v.C.). Worauf sich diese Datierung stützt, habe ich nicht herausfinden können; vermutlich aus dem Grabungsumfeld: Dra Abu el-Naga, so der Ortsname, war zu jener Zeit bevorzugter Bestattungsort für hochstehende Ägypter.

Leider kann ich Dir wieder keine aktuellen Bilder liefern, weil ich mir den teuren Bilderdienst von dpa nicht leisten kann. (Ich verlinke auf einen bebilderten Bericht von n-tv.)  Aber es gibt ja WikiCommons, und so kann ich Dir immerhin Eindrücke von diesem Fund vermitteln. Das folgende Bld zeigt einen solchen hölzernen Sarkophag, wie er jetzt in Theben-West gefunden wurde, samt innenliegender Mumie.

Der hier abgebildete Sarkophag stammt zwar aus der Spätzeit Ägyptens (er ist im Ägyptischen Nationalmuseum in Kairo zu besichtigen, und das Foto stammt von Gérard Ducher), doch die altägyptischen Bestattungszeremonien haben sich über Jahrtausende hinweg wenig verändert. Ich gehe daher davon aus, dass der Fund von Dra Abu el-Naga ganz ähnlich aussieht.

Die Grabungsumstände sind interessant: Der Sarkophag wurde am Grund eines einfachen Schachtgrabes in vier Metern Tiefe gefunden. In der Nähe gab es zwei weitere Schachtgräber, die jedoch leer waren. Die Forscher meinen, sie seien ausgeplündert worden. Es handelt sich also um ein sehr einfaches Grab, das Zeugnis eher bescheidener ökonomischer Verhältnisse sein dürfte.

Tausend Jahr zuvor hatten pharaonische Beamte ganz andere Mittel zu ihrer Verfügung, um sich beispielsweise eine Mastaba errichten zu lassen, wie sie auf der Grafik rechts zu sehen ist — einen Bau aus Nilschlammziegeln mit mehreren Kammern und Schächten in seinem Inneren. Solche Mastaben gibt es übrigens auch in Abydos, der Stadt des Senebkai. So baute man vor allem in der Zeit des Alten Reichs, wenn man das Geld dazu hatte.

Auf diesem Luftbild von Steve F-E-Cameron ist ein großer Teil der thebanischen Totenstadt zu sehen. Auf den ersten Blick erschließt sich, dass es zahlreiche Tempelruinen gibt. (Draufklicken –> Vergrößern.) Der besterhaltene Tempel ist der der Hatschepsut in der linken oberen Bildmitte (siehe auch Bildlegende unten). Neben diesen Blickfängern gibt es unzählige kleinere Bauwerke und vor allem natürlich Gräber, von denen, wie man vermuten darf, noch immer nicht alle entdeckt worden sind; der aktuelle Fund legt dies nahe.

Bildergebnis für Tempel ist der der Hatschepsut

Die Mehrzahl dieser Gräber sind vermutlich einfache Schachtgräber wie das des Beamten aus der Zweiten Zwischenzeit. Mehr als dieses einfache Grab konnte der Mann sich offenbar nicht leisten. Die Zweite Zwischenzeit war nicht gerade die beste Zeit Ägyptens, aber immerhin gelang es den Oberägyptern, ihr Teilreich gegen die Hyksos zu verteidigen. Dabei dürfte Senebkai, der Pharao von Abydos, der ein großer, stattlicher Mann war, eine Rolle gespielt haben.

Legende:
1) Tal der Könige
2) Totentempel der Hatschepsut. Direkt links daneben der Tempel von Mentuhotep II. In der Felswand über den Tempeln befinden sich die Gräber von Deir-el-Bahari, wo Brugsch 1881 das Mumiendepot mit der Sethos-Mumie fand.
3) Ramesseum (Tempel von Ramses II.)
4) Tempel von Thutmosis IV.
5) Tempel von Merenptah
6) Tempel von Ramses III. (Medinet Habu)
7) Deir el-Medina (Stadt der Arbeiter des Tals der Könige)
8 ) El-Qurna (Heimat der Rassul)
9) Dra Abu el-Naga

Der Blick auf die Feinheiten

Es ist kein Zufall, dass sich der Fokus der Wissenschaftler jetzt auf die Zweite Zwischenzeit richtet. Das ist beispielsweise auf die grundlegende Arbeit des Ägyptologen Kim Ryholt über die politischen Zustände im alten Ägypten während dieser Zeit zurückzuführen. Ryholt bezweifelte beispielsweise die lange geltende These, dass Oberägypten einen relativ einheitlichen Machtblock gegen die Hyksos gebildet habe. Es gab in Abydos schon seit längerem Funde, die auf eine gewisse Eigenständigkeit des Ortes hinwiesen.

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In spirituell-religiöser Hinsicht war Abydos immer sehr selbstständig, denn dort befand sich das zentrale Heiligtum des Gottes Osiris. Man hatte dort gewissermaßen immer einen eigenen Kopf. Nun scheint sich zu bestätigen, dass es dort eine regionale Herrschaft gab, während zur gleichen Zeit in Theben womöglich ein Pharao namens Neferhotep II. herrschte.

Wahrscheinlich ist die Zeit der prachtvollen Goldfunde aus pharaonischen Zeiten vorbei. Auch wenn noch immer nicht alle Königsgräber entdeckt sind, sinkt die Wahrscheinlichkeit solcher Funde, je länger in Ägypten archäologisch gegraben wird. Umso schöner ist es, dass nun auch Funde, die nicht von Massen von Gold geprägt sind, in der Öffentlichkeit ein solches Aufsehen erregen wie der des Senebkai in Abydos oder der des Beamten von Theben.

Die Wissenschaftler sind bescheidener geworden, ihr Fokus richtet sich immer mehr auf die Feinheiten. Es kann durchaus sein, dass uns das bescheidene Schachtgrab von Dra Abu el-Naga mehr an Details über das Leben zu jener Zeit verraten kann als ein sensationelles Königsgrab voller Gold und liturgischer Texte. Freuen wir uns auf weitere Funde, die unser Bild jener Zeit abrunden werden.

Quelle:ybersinn.de

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Author: Nilzeitung

Danke für ihren Besuch.!!"dieser Seite im Aufbau". Es stimmt, dass es keine Freiheit ohne Pressefreiheit gibt. Wahrer Frieden des Journalismus ist eine der Säulen der Demokratie (Salah El-Nemr) se/nz.

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