Die Schlachtfelder Syriens Kostet mehr als 500.000 Menschen leben.
Ost-Ghouta: Macron und Merkel fordern Putin auf, den Waffenstillstand zu stoppen
UN-Sicherheitsrat soll über Resolution zur Beendigung des Blutvergießens in der von Rebellen kontrollierten syrischen Enklave abstimmen

Emmanuel Macron und Angela Merkel haben am Freitag an den russischen Präsidenten Wladimir Putin geschrieben, um ihn aufzufordern, eine Resolution des UN-Sicherheitsrates für einen Waffenstillstand in Syrien zu unterstützen, um eine der tödlichsten Bombenangriffe des Krieges zu beenden, sagte die französische Präsidentschaft.
Der Brief, den der französische Präsident und der deutsche Kanzler bei einem EU-Gipfel in Brüssel geschickt hatten, forderte Russland auf, den Resolutionsentwurf für einen 30-tägigen Waffenstillstand zu unterstützen, vor allem um die Hilfe für das belagerte östliche Ghouta zu ermöglichen und Evakuierungen zuzulassen.
Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen wird voraussichtlich am Freitag über die Resolution abstimmen.
Die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini forderte am Freitag einen sofortigen Waffenstillstand und Hilfslieferungen in der von Rebellen kontrollierten syrischen Enklave, nachdem dort mehr als 400 Zivilisten getötet worden waren.
Tote Kinder, zerbombte Kliniken: Syrien erlebt die blutigsten Kämpfe seit Beginn des Krieges. Immer mehr Staaten sehen ihre Interessen berührt. Die Türkei greift Kurden an, Israel droht dem Iran. Und täglich wächst die Gefahr einer direkten Konfrontation zwischen Russland und den USA.
„Dieser Alptraum muss aufhören, und zwar sofort“: Ein kleiner Junge steigt weinend aus den Trümmern eines Hauses in Ost-Ghouta – nach einem Bombenangriff der syrischen Armee.

Damaskus. Es ist gegenwärtig der brutalste und gefährlichste Konflikt der Welt. Sieben Jahre lang wird nun schon in Syrien gekämpft. Und kein Ende des Blutbades ist in Sicht. Im Gegenteil.
Zwar ist der „Islamische Staat“, die mörderische Terrormiliz, nach einer dreijährigen Völkerschlacht besiegt. Dafür aber gehen seit Beginn des Jahres die Beteiligten der internationalen Anti-IS-Allianz heftiger denn je aufeinander los. Die Lage in dem Bürgerkriegsland gerät mehr und mehr außer Kontrolle – mit unabsehbaren Folgen für seine Bewohner, für die nahöstliche Region und für das Machtgefüge des Globus.
Nicht nur der Konflikt zwischen Israel und Iran kocht. Auch die USA und Russland könnten auf syrischem Boden jederzeit offen aneinandergeraten – und damit einen regionalen Konflikt in einen wahrlich globalen verwandeln. Während das Assad-Regime die eigene Bevölkerung in den verbliebenen Enklaven der Aufständischen massakriert. Viele Lunten lodern an dem Pulverfass Syrien.
Wir dokumentieren die fünf wichtigsten Schlachtfelder in diesem Vielfrontenkrieg.
1. Der Albtraum von Ost-Ghouta: Assad gegen Rebellen
Die schrecklichsten Bilder kommen derzeit aus Ost-Ghouta. Seit Tagen und Wochen wird die Rebellen-Enklave östlich von Damaskus rund um die Uhr bombardiert. „Was hier passiert, ist jenseits jeder menschlichen Vorstellungskraft“, sagte der UN-Hilfekoordinator für Syrien, Panos Moumtzis. „Dieser Albtraum muss aufhören, und zwar sofort.“
Allein in dieser Woche kamen nach Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte bereits mehr als 300 Frauen, Männer und auch viele Kinder ums Leben, die meisten begraben unter den Trümmern ihrer zusammengestürzten Häuser. Drei weitere Krankenhäuser wurden durch den syrisch-russischen Bombenhagel zerstört, Narkosemittel und wichtige Medikamente gehen zur Neige. Mehr als 1400 Menschen wurden in den letzten 72 Stunden teilweise lebensgefährlich verletzt, die letzten noch funktionsfähigen Hospitäler sind von dem Elend völlig überfordert.
Zehntausende der 400 000 Eingeschlossenen hungern. Seit Ende November ließ das Regime lediglich einen einzigen UN-Hilfstransport den Belagerungsring passieren. Inzwischen zieht Baschar al-Assad rund um Ost-Ghouta die Elitetruppen der berüchtigten Tiger-Division zusammen, die das gesamte Gebiet zurückerobern sollen.
Die Bundesregierung erinnerte gestern an die Belagerung Aleppos 2016 und kritisierte vor allem die syrische Armee. „Das Regime enthält den leidenden Menschen dort systematisch Nahrungsmittel vor, Medikamente, medizinische Ausrüstung“, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert. Ziel sei, „die Rebellen, die dieses Gebiet kontrollieren, zur Aufgabe zu zwingen oder sie zu vernichten“. Man müsse fragen, wo Russland und der Iran seien, die in der Vergangenheit erklärt hätten, für eine Waffenruhe auch in Ost-Ghouta zu garantieren.
Der Diktator lässt tatsächlich keine Zweifel daran, dass er alle Gegner für Terroristen hält und „jeden Zentimeter“ des syrischen Territoriums wieder unter seine Kontrolle bringen will. Der militärische Durchbruch gelang seiner Armee vor gut einem Jahr, als sie nach einem barbarischen Dauerbombardement den Rebellen ihre Hochburg Ost-Aleppo entreißen konnte.
Die gleiche Strategie verfolgt das Regime nun auch gegen Ost-Ghouta und Idlib im Norden, wo vier Millionen Menschen leben. Beide Enklaven gehören nominell zu den sogenannten Deeskalationszonen, in denen die drei Astana-Mächte Türkei, Iran und Russland einen schrittweisen Waffenstillstand durchsetzen wollten. Doch daran hält sich niemand mehr.
2. Der Stellvertreterkrieg: USA gegen Russland
Nach den Siegen in Rakka und Deir Ezzor tobt der Feldzug gegen die Reste des „Islamischen Staates“ nun am syrischen Unterlauf des Euphrat. Entlang des östlichen Ufers rücken die arabisch-kurdischen Einheiten der Syrisch Demokratischen Front (SDF) vor, die von den USA ausgerüstet und aus der Luft unterstützt werden. Parallel dazu operieren am westlichen Ufer syrische Truppen zusammen mit iranisch-irakischen Milizen und russischen Söldnern.
Am 7. Februar kam es zwischen beiden Seiten zu einem bisher beispiellosen Zwischenfall. Nachdem die Assad-Seite die US-geführten SDF-Einheiten mit Panzern und Artillerie angegriffen hatte, wurde sie durch US-Apache-Hubschrauber und Erdkampfjets unter Feuer genommen. Mindestens 200 Soldaten kamen ums Leben, darunter Dutzende russische Söldner der sogenannten Wagner-Gruppe, die als Paramilitärs im Auftrag Moskaus in Syrien operieren.
Ein solches US-Massaker an Russen könnte leicht in einer direkten Konfrontation zwischen den Vereinigten Staaten und Russland münden. Wladimir Putin jedoch entschied sich angesichts der bevorstehenden Präsidentenwahl am 18. März, den Vorfall zunächst zu ignorieren und dann herunterzuspielen. Washington ist in Syrien inzwischen mit 2000 Soldaten vor Ort. Sie sollen nach Aussagen von US-Außenminister Rex Tillerson dort bleiben – und zwar auf unbestimmte Zeit.
quellen Mund Agenturen/guardian


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