
Es war der Schreckmoment. Angela Merkel plauscht am BMW-Stand zum Thema Elektoantrieb. Plötzlich stürmt ein Umwelt-Aktivist auf die Kanzlerin zu. Sicherheitsbeamte überwältigen den Angreifer.
Proteste und Blockade angekündigt Klima-Aktivisten machen gegen IAA mobil – schon 22 Strafanzeigen
Aktualisiert am 13.09.19 um 19:54 Uhr
Die Internationale Automobil-Ausstellung in Frankfurt steht diesmal im Zeichen der Klima-Proteste. Zur Großdemo am Samstag werden 20.000 Teilnehmern erwartet. Gegen 22 Greenpeace-Aktivisten wird schon wegen Landfriedensbruch ermittelt.

Die Klima-Aktivisten, die am Samstag gegen die Automesse IAA protestieren, manchen an mehreren Stellen in Frankfurt auf sich aufmerksam: Die Großdemo am ersten Publikumstag der IAA beginnt am Mittag in der Innenstadt. Der Demozug führt zu Fuß zur Messe, zeitgleich sind Fahrrad-Korsos aus verschiedenen Richtungen dorthin unterwegs.
Für 22 Greenpeace-Aktivisten hat ein Protest in den Messehallen der IAA mittlerweile Konsequenzen: Autobauer erstatteten Anzeige, weil die Demonstranten am Donnerstag während des Messerundgangs von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) auf ausgestellte Autos geklettert waren und Plakate mit dem Wort “Klimakiller” hochhielten. Es gehe um den Vorwurf des Landfriedensbruchs und der Sachbeschädigung, sagte ein Sprecher der Frankfurter Polizei am Freitag.
Bei der Demonstration am Samstag werden rund 20.000 Demonstranten erwartet. Davon gehen Polizei und Organisatoren der Klima-Demo #aussteigen aus.
Worauf müssen sich Besucher am Samstag rund um die Messe einstellen?

Rund um die Messe wird die Polizei die Senckenberganlage, die Friedrich-Ebert-Anlage sowie Abschnitte der Theodor-Heuss-Allee ab 6 Uhr morgens bis abends in beide Richtungen sperren. Dadurch soll ein reibungsloser Ablauf der Demonstration gewährleistet werden. Gleichzeitig dient der Bereich als Evakuierungszone. “Es wird zeitweise zu erheblichen Beeinträchtigungen im Straßenverkehr sowie im öffentlichen Personennahverkehr kommen”, so die Beamten.
Betroffen sind laut Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) vor allem die Straßenbahn- und Buslinien rund um die Friedrich-Ebert-Anlage am Messegelände. IAA-Besuchern wird deshalb empfohlen, auf S-Bahnen und U-Bahnen auszuweichen – die unterirdische Haltestelle “Festhalle/Messe” soll wie gewohnt angefahren werden.
Verkehrsbehinderungen in der Innenstadt
Auch in der Innenstadt wird es am Samstag zu Einschränkungen und Sperrungen kommen, da der Protestzug sich von dort aus zu Fuß auf den Weg zum Messegelände macht: 11.30 Uhr ist Start an der Hauptwache, von dort laufen die Demonstranten über die Bockenheimer Landstraße zur Messe. Auf der Friedrich-Ebert-Anlage findet ab 14.30 Uhr die gemeinsame Abschlusskundgebung aller Gruppen statt, die sich an der Klima-Demo beteiligen.
Autobahnen wegen Fahrrad-Korsos kurzzeitig gesperrt
Zeitgleich zum Demonstrationszug sind Klima-Aktivisten auf dem Fahrrad in einer Sternfahrt auf 13 Routen aus dem Umland zum Messegelände unterwegs. “Für kurze Zeit werden am Samstag aufgrund des Fahrrad-Korsos rund um Frankfurt auch Abschnitte der A648 und der A661 sowie die B40 gesperrt sein”, teilte die Polizei mit. Die Fahrrad-Korsos dürften auch auf Bundes- und Landstraßen für Verkehrsbehinderungen sorgen.
Radler aus Fulda haben sich bereits am Freitag auf den Weg nach Gelnhausen gemacht. Dort übernachten sie nach eigenen Angaben in einem Gemeindehaus und radeln Samstagmorgen gemeinsam mit den Klimaaktivisten aus Gelnhausen weiter nach Frankfurt.
Zum Radler-Protest gegen die Autoschau haben unter anderem Greenpeace, der Verkehrsclub VCD und der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (adfc) aufgerufen.
Welche Forderungen haben die Demonstranten?
Die Demonstranten fordern ein Umdenken in der Autobranche, weg von Spritfressern hin zur Elektromobilität. Zudem halten sie Tempo-Limits für sinnvoll. Als Affront gegen Autofahrer sieht Organisator Werner Buthe die Großdemo nicht. Es geht ihm um eine Mobilisierung der Öffentlichkeit.
Sein Ziel: Statt einer Automobil-Schau eine Internationale-Mobilitätsausstellung schaffen, auf der Fußgänger, Radverkehr, Kraftfahrzeuge und ÖPNV gleichermaßen präsent sind und in Kontakt treten, wie er dem hr sagte. Hier sind die Forderungen im Einzelnen aufgelistet:
- Ausstieg aus der Verbrennungsmotor-Technik
- Klimaneutraler Verkehr spätestens im Jahr 2035
- Klimaschutzgesetz bis Ende 2019, um das das Erreichen des 1,5 Grad-Ziels sicherzustellen
- Vorrang für Fuß- und Radverkehr
- Ausbau von Bus- und Bahnverkehr
- Höchstgeschwindigkeit von 120 km/h auf Autobahnen, 80 km/h außerorts und 30 km/h innerorts
- effiziente Elektromobilität statt dicker E-SUVs
Was passiert am Sonntag?
Am Sonntag will ein Bündnis namens “Sand im Getriebe“, zu dem die Gruppierungen attac, Climate Justice Frankfurt und Critical Mass Mainz gehören, den Zugang zur Messe versperren. “Wir setzen uns vor die Eingänge und blockieren die Klima- und Umweltzerstörer da, wo sie uns als Statussymbole präsentiert werden sollen”, heißt es in ihrem Aufruf. Angemeldet sind Mahnwachen und Demonstrationen vor dem Messeeingang mit einigen hundert Teilnehmern.
Die Polizei hat temporäre Einschränkungen im Straßenverkehr angekündigt. Betroffen sind demnach der Platz der Einheit, die Straße der Nationen sowie die Friedrich-Ebert-Anlage. Die Emser Brücke wird ganztätig gesperrt sein.

Was sagt die Polizei?
Hinweise auf geplante gewaltsame Aktionen lägen der Polizei nicht vor, erklärte IAA-Einsatzleiter Thomas Seidel in Frankfurt. “Wir erwarten einen friedlichen Ablauf.“ Man sei aber auch auf mögliche Zwischenfälle eingestellt. Die Einsatzkräfte würden reagieren, falls Aktivisten sich oder andere in Gefahr brächten.
Im Vorfeld der Autoschau hatte es mehrere Attacken auf Autohäuser in Kronberg, Heusenstamm und Erlensee gegeben. Zumindest bei dem Angriff auf ein Autohaus in Kronberg gab es ein Bekennerschreiben. Darin positionierte sich eine bislang unbekannten Gruppe “Steine ins Getriebe“, nicht zu verwechseln mit “Sand im Getriebe”, gegen die IAA.
Veröffentlicht am 09.09.19 um 19:18 Uhr
Quelle: dpa/lhe, Alexander Kumpf, hessenschau.de/suma
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