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Sachsen Chemnitz; Mord nach fast 18 Jahren aufgeklärt: Ehefrau zu lebenslanger Haft verurteilt.

In einem Gerichtssaal verdeckt eine Angeklagte ihren Kopf mit einem Aktenordner. Neben ihr stehen Justizbeamte. Hinter einer Trennscheibe sitzt ein Mann, der mit einer Anwaltsrobe gekleidet ist.

Bildrechte: MDR/David KoppStand: 15. Februar 2021, 16:45 Uhr

Mord nach fast 18 Jahren aufgeklärt: Ehefrau zu lebenslanger Haft verurteilt

Für den Mord an ihrem Ehemann vor gut 18 Jahren ist eine 67-Jährige zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Die Richterin am Landgericht Chemnitz sah es als erwiesen an, dass die Frau ihrem Ehemann Schlafmittel ins Essen gemischt und ihm dann Cognac und Desinfektionsmittel eingeflößt hat. Der damals 49 Jahre alte Mann verstarb daraufhin an einer Alkohol- und Medikamentenvergiftung.

Bei der anschließenden Obduktion im Jahr 2003 waren keine Fremdeinwirkungen festgestellt worden, sodass die Ermittler von einem Unfall oder Suizid ausgegangen waren. Erst nach einem Gespräch zwischen Mutter und Tochter, welches die Tochter heimlich aufgezeichnet hatte, war der Fall wieder aufgerollt worden.

Richterin: “Außergewöhnlicher Fall”

“Die Kammer hat keinen Zweifel, dass Sie Ihren Mann vergiftet haben”, sagte Richterin Simone Herberger am Montag zu der 67-Jährigen. Dabei verwies sie auf etliche Details, die die Seniorin in dem heimlich aufgenommenen Gespräch offenbart hatte. In der Urteilsbegründung sprach die Richterin deshalb von einem “außergewöhnlichen Fall”. “Über das Geschehen schien Gras gewachsen, niemand hätte die Akten noch einmal aus dem Keller geholt”, so die Richterin, die beim Strafmaß dem Antrag der Staatsanwaltschaft gefolgt war.

Die Angeklagte selbst betonte in ihrem letzten Wort vor Gericht ihre Unschuld: “Ich habe meinem 2003 verstorbenen Mann nichts angetan. Ich bin keine Mörderin”, sagte sie mit tränenerstickter Stimme. Ihr Verteidiger Andreas Baumann hatte auf Freispruch plädiert und die Verwertung der heimlichen Aufnahme vor Gericht kritisiert. Er werde sicherlich Rechtsmittel gegen das Urteil einlegen, sagte der Anwalt nach dem Richterspruch.

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Der Mordprozess wurde seit Dezember 2020 am Landgericht Chemnitz verhandelt.Bildlto

Tochter schob Mordprozess an

Der Mordfall wurde nach mehr als 17 Jahren von der Stieftochter des Verstorbenen wieder ins Rollen gebracht. Sie hatte ein Gespräch mit der 67-Jährigen heimlich mitgeschnitten. Unter einem Vorwand hatte sie die Mutter an deren Geburtstag Anfang Mai 2020 in ein Vier-Augen-Gespräch verwickelt und sich Rat wegen eines angeblichen Drogenproblems ihres Ex-Partners erbeten. Dabei fragte sie auch nach den Todesumständen ihres Vaters.

29 Minuten lang über Tod des Ehemanns gesprochen

Daraufhin plauderte die Mutter freimütig. Was sie nicht wusste: Die Tochter nahm das Gespräch mit dem Handy in der Hosentasche auf – 29 Minuten und 13 Sekunden lang. Nicht nur, dass die Angeklagte darin fachsimpelte, wie die Tochter ihren Ex-Partner ohne Spuren zu hinterlassen umbringen könnte. Detailreich sprach sie auch über den Tod ihres Ehemannes. Wie sie ihm ein Schlafmittel ins Pfefferminzeis gemischt habe. Wie es ihn nach einer halben Stunde am Schreibtisch “zusammengedreht” habe und wie sie ihm Cognac und Desinfektionsmittel zu trinken gegeben habe. “Er hat noch selber geschluckt”, berichtete die Chemnitzerin in dem Gespräch. Und dass bei der Obduktion keine Fremdeinwirkung gefunden wurde.

Zeugin: Psychische Gewalt und Beleidigungen

Die Tochter, die das Gespräch aufgezeichnet hatte, wurde bereits als Zeugin vor Gericht gehört. Sie sagte aus, sie habe sich um das Leben ihres Stiefvaters Sorgen gemacht. Sie sprach von psychischer Gewalt und Beleidigungen ihrer Mutter gegen den damals 49 Jahre alten Ingenieur, den Nachbarn und Familie “Hansi” nannten. Das Paar lebte in einer typischen Einfamilienhaus-Idylle. Die Ermittler gingen 2003 noch von einem Unfall oder Suizid aus.

Author: Nilzeitung

Danke für ihren Besuch.!!"dieser Seite im Aufbau". Es stimmt, dass es keine Freiheit ohne Pressefreiheit gibt. Wahrer Frieden des Journalismus ist eine der Säulen der Demokratie (Salah El-Nemr) se/nz.

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