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NS-Prozess: 100-jähriger SS-Wachmann vor Gericht in Deutschland

Veröffentlichtvor 7 Stunden

Zweiter Weltkrieg

NS-Prozess: 100-jähriger SS-Wachmann vor Gericht in Deutschland

Ein 100-jähriger ehemaliger Wachmann des KZ Sachsenhausen erscheint im Gerichtssaal vor seinem Prozess vor dem Landgericht Neuruppin in Brandenburg, Deutschland, 7. Oktober 2021

Bildbeschreibung,Josef S., der 1942 mit 21 Jahren zum ersten Mal Wachmann in Sachsenhausen wurde, erscheint vor Gericht

Die Staatsanwaltschaft machte Angaben zu Massenerschießungen und Morden durch Gas sowie durch Krankheit und Erschöpfung

Berlin,-76 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs steht ein ehemaliger KZ-Wachmann wegen Beihilfe zur Ermordung von 3.518 Häftlingen in Sachsenhausen bei Berlin vor Gericht.

Josef S. wird Mittäterschaft an der Erschießung sowjetischer Kriegsgefangener und der Ermordung anderer mit Zyklon-B-Gas vorgeworfen.

Die Zeit für Kriminelle aus der Nazi-Zeit läuft ab, um sich der Gerechtigkeit zu stellen, und er ist der älteste Angeklagte, der bisher vor Gericht steht.

Erst in den letzten Jahren wurden rangniedrigere Nazis vor Gericht gestellt.

Vor zehn Jahren war die Verurteilung des ehemaligen SS-Wachmanns John Demjanjuk ein Präzedenzfall, der es Staatsanwälten ermöglichte, Personen wegen Beihilfe zu Nazi-Verbrechen im Zweiten Weltkrieg anzuklagen. Bis dahin musste eine direkte Beteiligung an einem Mord nachgewiesen werden.

Der Angeklagte, der aufgrund der deutschen Datenschutzgesetze als Josef S. identifiziert wurde, wurde in einer Justizvollzugsanstalt in Brandenburg an der Havel in eine speziell umgebaute Sporthalle geführt, wo der Prozess unter strengen Sicherheitsvorkehrungen begann.

Er kam im Rollstuhl mit einer Aktentasche vor dem Gericht an und trat mit Hilfe eines Gehgestells ein. Er schirmte sein Gesicht mit einer blauen Feile ab, damit die Fotografen nicht sehen konnten.

Josef S. lebt seit Jahren im Raum Brandenburg, angeblich als Schlosser, und hat sich nicht öffentlich über den Prozess geäußert.

Sein Anwalt Stefan Waterkamp teilte dem Gericht mit, der Angeklagte werde sich im Prozess nicht zu den Vorwürfen äußern. Er würde jedoch bei der Anhörung am Freitag über seine persönlichen Umstände sprechen.

Josef S. war 21 Jahre alt, als er 1942 zum ersten Mal Wachmann in Sachsenhausen wurde. Heute fast 101 Jahre alt, gilt er bis zu zweieinhalb Stunden täglich vor Gericht. Der Prozess soll bis Januar andauern.

Staatsanwalt Cyrill Klement teilte dem Gericht die systematischen Tötungen in Sachsenhausen zwischen 1941 und 1945 mit. “Der Angeklagte hat dies wissentlich und bereitwillig unterstützt – zumindest durch gewissenhafte Ausübung des Wachdienstes, der perfekt in das Tötungsregime integriert war.”

Im Lager Oranienburg, nördlich von Berlin, starben Zehntausende Menschen, darunter Widerstandskämpfer, Juden, politische Gegner, Homosexuelle und Kriegsgefangene.

1943 wurde in Sachsenhausen eine Gaskammer installiert und gegen Ende des Krieges 3.000 Menschen im Lager massakriert, weil sie “marschunfähig” waren. Die Staatsanwaltschaft machte Angaben zu Massenerschießungen und Morden durch Gas sowie durch Krankheit und Erschöpfung.

Der Holocaust-Überlebende Leon Schwarzbaum hält ein Bild im Gerichtssaal während eines Prozesses gegen einen 100-jährigen ehemaligen Wachmann des Konzentrationslagers Sachsenhausen vor dem Landgericht Neuruppin in Brandenburg, Deutschland, 7. Oktober 2021

Bildbeschreibung,Leon Schwarzbaum überlebte Sachsenhausen sowie Auschwitz und Buchenwald

Besonders wichtig war der Prozess am Donnerstag für 17 Nebenkläger, darunter Überlebende von Sachsenhausen.

Christoffel Heijer war sechs Jahre alt, als er seinen Vater das letzte Mal sah: Johan Hendrik Heijer war einer von 71 niederländischen Widerstandskämpfern, die im Lager erschossen wurden.

“Mord ist kein Schicksal; es ist kein Verbrechen, das mit der Zeit legal ausgelöscht werden kann”, sagte er der Berliner Zeitung.

Leon Schwarzenbaum, ein 100-jähriger Überlebender von Sachsenhausen, sagte, dies sei der “letzte Prozess für meine Freunde und Bekannten und meine Lieben, die ermordet wurden” und er hoffte, dass es mit einer endgültigen Verurteilung enden würde.

Über die Aussageverweigerung von Josef S. war die Frustration weit verbreitet.

“Für die Überlebenden ist das eine weitere Absage, genau wie im Lager. Sie waren Ungeziefer”, sagte Christoph Heubner vom Internationalen Auschwitz-Komitee.

Thomas Walther, der Anwalt der Nebenkläger, sagte, er sei nicht überrascht, hoffe aber, dass er seine Meinung ändern werde.

Die meisten Nazi-Lagerwärter werden nicht vor Gericht gestellt.

Bruno Dey hält sich am 23. Juli 2020 vor Gericht eine Mappe vors Gesicht

Bildbeschreibung,Der Nazi-SS-Wachmann Bruno Dey wurde letztes Jahr wegen Mittäterschaft an 5.000 Morden verurteilt

Allein im KZ Stutthof gab es 3.000 Wärter, von denen nur 50 verurteilt wurden. Bruno Dey wurde dort im vergangenen Jahr wegen Mittäterschaft am Massenmord verurteilt und zu einer Bewährungsstrafe verurteilt.

Erst letzte Woche sollte eine Nazi-Sekretärin des Lagers Stutthof, Irmgard Furchner, nördlich von Hamburg vor Gericht gestellt werden, war aber Stunden zuvor aus einem Pflegeheim geflohen.

Sie wurde schließlich in Hamburg gefasst und ihr Prozess wurde auf den 19. Oktober verschoben. Sie wurde Anfang dieser Woche aus der Haft entlassen.

Quelle/bbc.news

Author: Nilzeitung

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